Wie der Whippet entstand

 
Der Whippet hat Charme und Charisma, ist anhänglich und treu und liebt den Körperkontakt über alles. Vor rund 170 Jahren hat sich der Whippet in England als Rasse etabliert. Er wurde seinerzeit für einen ganz bestimmten Zweck gehalten: Ihn in einem Areal nach Kaninchen schnappen zu lassen. Entsprechend nannte man den Whippet damals "poor man´s race horse" - das Rennpferd des kleinen Mannes. Die Bergleute und Fabrikarbeiter, arme Leute aus dem Norden Englands, züchteten die ersten Whippets. Sie fanden darin einen unterhaltsamen Zeitvertreib und freuten sich an der Sportlichkeit ihrer Hunde. Durch die Wettleidenschaft bei diesen Rennen, den Ehrgeiz der Whippets und ihrer Besitzer entstand bald ein beständiger Whippettyp. Aus diesen "Snap dogs" und "Rag dogs" wurde der Whippet gezüchtet. Detailliert beschreibt dies Varo Shaw in seinem 1879 erschienenen Standard Werk "Das Illustrierte Hundebuch". 
 
Die Rasse gewann im Lauf der Jahrzehnte zunehmend an Beliebtheit, und zwar in allen englischen Gesellschaftsschichten. Die Kynologen stelten sich die Frage: Aus welchen Rassen hat man den damaligen Whippet gezüchtet?
 
Greyhound, Windspiel und Co.
 
Es besteht kein Zweifel, dass Windhunde zu einer ganz engen Spezies bzw. Gattung gehören. Als Basis für die Whippetzucht diente auf jeden Fall  der Greyhound, möglicherweise wurde auch das Italienische Windspiel eingekreuzt. Allerdings kannte man in England den kleinen Italiener kaum. Es ist jedoch eine Legende überliefert, dass bereits im 17. Jahrhundert Karl I. von England eine Meute von Windspielen aus Frankreich in seinem Gepäck mitgebracht haben soll. Die Windspiele kreuzte er dann mit Terriern und damit war der mittelgroße Hetzhund entstanden. Eine Hunderasse namens "Whappet" wird ebenfalls in der Literatur erwähnt. Damals zählte nur die Leistung des Whippet. Sein Adel und seine Eleganz, gepaart mit Schönheit - wie sich der Whippet in heutiger Zeit präsentiert - wurden vernachlässigt. Grundlage für seine Beliebtheit waren seine Schnelligkeit, Zähigkeit und seine elementare Kraft. Damals gab es auch eine rauhaarige Variante des Whippets, doch die strubbeligen Typen sind bald verschwunden. Heute erkennen die internationalen Zuchtverbände den Rauhaar-Whippet nicht an. Für die Whippetbesitzer war es wichtig, dass der Hund still und ohne zu kläffen dem Hasen oder dem Kaninchen folgte und durch (verbotene) Hetzjagd die Mahlzeiten bereicherte. Die Hunde halfen somit den walisischen Bergleuten bei der Wilderei, und Fleischgerichte zählten in dieser Zeit bei der armen Bevölkerung zum absoluten Luxus.
 
Anerkennung als Rasse
 
1890 wurde der Whippet vom englischen Kennelklub als eigenständige Rasse anerkannt und sechs Jahre später vergab man zum ersten Mal in England die Anwartschaften für das Championat. 1899 war das Gründungsjahr des ersten Whippet-Clubs. Auf dem Kontinent wurden zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Windspiele mt Whippets gekreuzt, um die etwas klein geratenen Italienischen Windspiele wieder auf eine bestimmte Größe zu bringen oder aber, um zu groß geratene Whippets wieder auf das normale Maß zu verkleinern.
In Deutschland war es für den Whippet anfangs nicht leicht, richtig Fuß zu fassen. Allerdings stellte sich bald heraus, dass der Whippet auch hier der Sportkamerad des kleinen Mannes werden sollte. Lieb ist er, anpassungsfähig, klug und immer darauf bedacht, seinem Menschen zu gefallen.
 
Quelle: "Whippet" (Elmar Sistermann, Marco Sistermann)
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© Claudia Novak